Zeit, sich freizuspielen
Jetzt beginnt im Hinblick auf unsere Aufführung von “Romeo und Julia” die letzte Probenphase.
Was wir in den letzten Monaten ausprobiert haben, soll jetzt mit Leben gefüllt und ausgestaltet werden.
Da wir jetzt nicht mehr häufig unterbrechen müssen, kann man größere Sequenzen proben und den Ablauf des Stückes im Zusammenhang sehen. Vieles wird sich jetzt noch verändern. Der “Durchlauf” gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Der gekürzte Text ist jetzt bekannt. Die letzte Probenphase dient nicht mehr dem Textlernen, sondern der Automatisierung des Textes. Nur so können sich die Schauspieler “freispielen” und souverän ihre Rollen beherrschen. Nur so können Schauspieler “von innen heraus” spielen und ihren Ausdruck voll entfalten. Dies erhält die Präsenz und schafft das Band der Faszination, das ein Publikum mit der Bühne verbinden muss.
Jetzt weisen wir den Mitspieler nicht mehr auf Fehler hin (du musst dies und jenes sagen), sondern helfen ihm, da wir den Handlungszusammenhang kennen, etwaige Klippen zu umschiffen (was wolltest du sagen, nur nicht schüchtern, ruhig heraus damit). Wenn wir souverän sind, können wir solche Situationen auch gekonnt zu Improvisationen nutzen. Schaffen wir das, dann wirkt der Text auch nicht mehr einstudiert, sondern gelebt.
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